Glas als tragendes Element
Die aussteifende Verglasung ist nicht nur Gebäudehülle, sondern Teil des untersuchten Lastabtrags.
Eine reale Versuchskonstruktion zur Untersuchung aussteifender Verglasung, dynamischer Lasten und digitaler Systembewertung im Hochbau.

Das Holz-Glas-Fachwerkhaus ist ein reales Versuchsobjekt für intelligente Bauwerke im Hochbau. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aussteifende Verglasung zum Lastabtrag beiträgt und wie sich die Tragfähigkeit und Zuverlässigkeit solcher Fassadensysteme digital bewerten lassen.
Sensorik an kritischen Stellen erfasst Verformungen und dynamische Beanspruchungen. Parallel ermöglicht ein Erdbebensimulationsstand biaxiale Bewegungen, mit denen unterschiedliche Lastfallszenarien untersucht werden können.
Sensordaten und numerische Simulationen werden in Konzepten für einen Digitalen Zwilling zusammengeführt. So entsteht eine Grundlage, um redundante Lastpfade, Systemverhalten und neue Sicherheitsstrategien für Glasfassaden zu untersuchen.
Warum ist das relevant?
Die Versuchskonstruktion verbindet reale Beanspruchungen mit Sensorik und numerischen Modellen. Das Ziel ist ein Digitaler Zwilling, der das Systemverhalten verständlicher und bewertbarer macht.
Die Holz-Glas-Konstruktion mit aussteifender Verglasung bildet das physische Versuchssystem.
Wind- und Erdbebenbeanspruchungen können über definierte Bewegungen und Lastfälle untersucht werden.
Lichtwellenleiter, Dehnungsmessstreifen und numerische Modelle erfassen und beschreiben das Systemverhalten.
Physische und virtuelle Daten werden verknüpft, um Tragfähigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheitsstrategien zu bewerten.
Die Konstruktion ist so ausgelegt, dass das Zusammenspiel von Holzfachwerk, aussteifender Verglasung, Sensorik und dynamischer Beanspruchung untersucht werden kann.

Die Fassadenteile wurden so ausgewählt, dass der Lastabtrag durch aussteifende Verglasung untersucht werden kann.
Die eingeplante Sensorik ermöglicht Messungen von Verformungen und dynamischen Lasten an relevanten Punkten der Konstruktion.
– Lichtwellenleiter
–Dehnungsmessstreifen
– Verformung
– Dynamische Lasten
Der parallel installierte Simulationsstand ermöglicht biaxiale Bewegungen, um unterschiedliche Lastfallszenarien kontrolliert zu erzeugen.
– Biaxiale Bewegungen
– Erdbebenlasten
– Dynamische Beanspruchung
– Lastfallsimulation
Speicher- und Datenmanagementlösungen unterstützen die Verarbeitung der bei Versuchen und Simulationen entstehenden großen Datenmengen.

Modelle auf Basis von Sensordaten und numerischen Simulationen wurden zunächst an vereinfachten Systemen getestet und bilden die Grundlage für die Übertragung auf das vollständige Holz-Glas-Fachwerkgebäude.
Die aussteifende Verglasung ist nicht nur Gebäudehülle, sondern Teil des untersuchten Lastabtrags.
Biaxiale Bewegungen ermöglichen die kontrollierte Simulation von Erdbeben- und weiteren Lastfällen.
Die Erkenntnisse können langfristig zur Optimierung weiterer Fassadensysteme im Hochbau beitragen.
Holz-Glas-Fachwerkgebäude und Erdbebensimulationsstand wurden in Q4/2024 fertiggestellt und in Betrieb genommen.
Sensordaten und numerische Simulationen wurden an vereinfachten Systemen gekoppelt und für die Übertragung auf das Gesamtmodell vorbereitet.
Klebstoffe für Glas-Glas- und Glas-Stahl-Verbindungen wurden unter unterschiedlichen Spannungs- und Belastungsszenarien untersucht.
Der Realdemonstrator und die im Projekt aufgebauten Kompetenzen sind am Institut für Konstruktiven Ingenieurbau – Hochbau der Universität der Bundeswehr München verankert.
Prof. Dr.-Ing. Geralt Siebert
Institut für Konstruktiven Ingenieurbau – Hochbau
Universität der Bundeswehr München
Fakultät für Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften