Methoden & Technologien

Wie RISK.twin arbeitet. 

RISK.twin kombiniert reale Messdaten, physikbasierte Simulation, datenbasierte Verfahren und nutzerorientierte Technologien. Die Methoden stehen dabei nicht für sich: Sie greifen ineinander und werden an konkreten Fragestellungen aus Brückenbau, Hochbau sowie Wasser- und Energiesystemen erprobt.

1. Messen

Sensorik und reale Daten

2. Modellieren

Simulation und High Performance Computing

3. Lernen

Machine Learning und Scientific ML

4. Entscheiden

Prescriptive Analytics und Decision Support

5. Vermitteln

VR/AR und Wissenschaftskommunikation

Grundprinzip

Der hybride Digitale Zwilling entsteht dort, wo Physik und Daten zusammenkommen.

RISK.twin setzt weder allein auf Sensorik noch allein auf Simulation oder KI. Reale Messwerte werden mit physikalischem Wissen und datenbasierten Verfahren verbunden. So können auch Größen bestimmt werden, die nicht vollständig durch Messdaten erfasst sind, und Szenarien untersucht werden, die im Normalbetrieb kaum auftreten.

Reale Welt

Sensordaten und Versuche

Messwerte aus Bauwerken, Anlagen und Reallaboren liefern den Bezug zur Realität.

Physik

Simulation & Modelle

Physikalische Zusammenhänge machen Verhalten und Belastung rechnerisch beschreibbar.

Datenbasierte Ergänzung

Machine Learning & Inferenz

Datenbasierte Verfahren ergänzen Modelle, erkennen Muster und unterstützen Prognosen.

Methodische Bausteine

Fünf Bausteine für hybride Digitale Zwillinge.

Sensorik, Simulation, Machine Learning, Entscheidungsunterstützung und VR/AR übernehmen im Projekt unterschiedliche Aufgaben. Erst ihr Zusammenspiel macht es möglich, reale Zustände zu erfassen, Entwicklungen zu modellieren und daraus nutzbare Informationen für Forschung, Betrieb und Transfer abzuleiten.

01 Sensorik & Virtual Sensing

Reale Messwerte erfassen – und Informationen dort ergänzen, wo kein Sensor sitzt.

02 Simulation & High Performance Computing

Komplexe physikalische Systeme berechnen – skalierbar und zunehmend echtzeitnah.

Numerische Simulationen beschreiben etwa Tragverhalten, Prozesse oder elektrische Systeme. HPC stellt die notwendige Rechenleistung für große Modelle und parallele Berechnungen bereit.

Simulation macht Belastungen, Störungen und Varianten untersuchbar, ohne reale Infrastruktur zu gefährden. Reduzierte Modelle ermöglichen dabei schnellere Berechnungen bis hin zur Echtzeitnähe.

Physikbasierte Simulation wird in allen drei Infrastrukturklassen eingesetzt. Die CPU-/GPU-Hardwareplattform ist dabei als projektweit verfügbare Ressource konzipiert und eingesetzt.

Modelle ermöglichen es, Belastungen, Parameter und Störfallszenarien kontrolliert zu variieren, ihre Auswirkungen zu vergleichen und Prognosen abzuleiten.

03 Machine Learning & Scientific Machine Learning

Datenbasierte Verfahren mit physikalischem Wissen verbinden.

Scientific Machine Learning verbindet datenbasierte Verfahren mit bekannten physikalischen Zusammenhängen. Dazu gehören unter anderem Physik-Informierte Neuronale Netze (PINNs).

Bei kritischen Infrastrukturen sind große Datensätze gerade für seltene Störfälle oft nicht verfügbar. Physikalisches Wissen kann helfen, datenbasierte Modelle auch unter solchen Bedingungen belastbarer zu machen.

Entwickelt wurden unter anderem eine PINN-Software für kontinuumsmechanische Probleme sowie Proof-of-Concept-Anwendungen zur automatischen Risserkennung.

Machine Learning macht komplexe Zusammenhänge in Mess- und Simulationsdaten nutzbar, etwa für die Erkennung von Schäden, die Vorhersage von Entwicklungen oder die Beschleunigung rechenintensiver Modelle.

04 Prescriptive Analytics & Decision Support

Nicht nur vorhersagen, was passieren könnte – sondern Handlungsoptionen vergleichbar machen.

Während Predictive Analytics mögliche Entwicklungen vorhersagt, bewertet Prescriptive Analytics alternative Maßnahmen und deren erwartbare Folgen.

Gerade in Stör- und Krisensituationen braucht es Unterstützung dabei, mehrere Handlungsoptionen schnell und nachvollziehbar gegeneinander abzuwägen.

In einem interaktiven Dashboard werden Daten analysiert und Zeitreihenprognosen mit unterschiedlichen Verfahren erstellt und miteinander verglichen.

Technische Informationen und mögliche Handlungsoptionen werden so aufbereitet, dass ihre Folgen nachvollziehbar verglichen werden können. Die Entscheidung selbst bleibt beim Menschen.

05 VR/AR & Wissenschaftskommunikation

Komplexe Digitale Zwillinge räumlich erlebbar, lernbar und kommunizierbar machen.

VR/AR überführt 3D-Modelle, Daten und Kontextinformationen in immersive Umgebungen, in denen Nutzende Inhalte räumlich erfahren können.

VR/AR macht Digitale Zwillinge und technische Zusammenhänge für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich: Von Lernenden über KRITIS-Betreibende bis hin zu Entscheidungstragenden.

Zwei vollständige VR-Lernumgebungen wurden entwickelt und in Studien mit bis zu 200 Teilnehmenden untersucht. Sie werden außerdem für Wissenschaftskommunikation und Ausbildung eingesetzt.

RISK.twin untersucht Lernwirksamkeit, Nutzerakzeptanz und kognitive Ergonomie immersiver Lernumgebungen und leitet daraus Erkenntnisse für ihre Gestaltung ab.

Methoden im Zusammenspiel

So greifen die Methoden in der Anwendung ineinander.

Je nach Fragestellung verbindet RISK.twin Sensorik, Simulation, Machine Learning, Entscheidungsunterstützung und VR/AR zu einem gemeinsamen methodischen Ansatz. Wie dieses Zusammenspiel konkret aussieht, zeigen drei Beispiele aus dem Projekt.

Beispiel Brücke

Vom Messwert zur Zustandsbewertung.

Bei Brücken werden reale Messdaten mit numerischen Modellen und datenbasierten Verfahren zusammengeführt.

  1. Sensorik erfasst Zustand und Belastung.
  2. Virtual Sensing ergänzt fehlende Informationen.
  3. Simulation und ML bewerten Verhalten und Entwicklung.

ZIEL: Prüfung, Wartung und Lebensdauerbewertung besser unterstützen.

Beispiel Wasser & Energie

Vom Betriebszustand zur Handlung.

Die Versuchsanlage verbindet Echtzeitdaten mit Prozess- und Energiemodellen.

  1. Messdaten und Softsensoren beschreiben den Zustand.
  2. Simulation untersucht Störfälle und Varianten.
  3. Prescriptive Analytics bewertet Handlungsoptionen.

ZIEL: Reaktionszeiten verkürzen und perspektivisch sicher in den realen Betrieb rückkoppeln.

Beispiel Lernen & Transfer

Vom digitalen Modell zum Lernerlebnis.

3D-Daten und Digitale Zwillinge werden in virtuelle Lern- und Kommunikationsumgebungen übertragen.

  1. Reale Objekte werden digital erfasst und modelliert.
  2. VR/AR macht Modelle räumlich begehbar.
  3. Empirische Studien prüfen Lernwirkung und Akzeptanz.

ZIEL: Forschung verständlich machen und Kompetenzen in Lehre, Ausbildung und Öffentlichkeit übertragen.

Querschnittsprinzip

Resilience by Design: Widerstandsfähigkeit von Anfang an mitdenken.

Resilience by Design richtet den Blick auf die Frage, wie kritische Infrastrukturen bereits bei Planung und Konstruktion so ausgelegt werden können, dass sie außergewöhnlichen Belastungen und Störungen besser standhalten.

RISK.twin verbindet dafür Erkenntnisse aus realen Versuchssystemen mit Sensorik, Simulation und digitalen Bewertungsverfahren. Untersucht werden unter anderem redundante Strukturen, Schutzmaßnahmen und die Frage, wie sich Robustheit und verbleibende Nutzbarkeit unter veränderten Bedingungen bewerten lassen.

Resilienz früher berücksichtigen

Digitale Zwillinge unterstützen resilienzorientierte Planung und Konstruktion.

Schutz und Redundanz planen

Bauliche Schutzmaßnahmen und Redundanzen virtuell untersuchen.

Wirkungen von Maßnahmen vergleichen

Maßnahmen unter identischen Belastungsszenarien vergleichbar bewerten.
Von der Methode in die Anwendung

Methoden werden bei RISK.twin dort relevant, wo sie an realen Systemen etwas verbessern.

Die Anwendungsfelder und Demonstratoren zeigen, wie Sensorik, Simulation, KI, Entscheidungsunterstützung und VR/AR konkret zusammenwirken.